Brauchtum im Jahreslauf November bis April

Stonehenge ein gigantischer steinerner Kalender? Die Pyramiden ein Abbild des Sternbildes Orion? Was ist mit den Linien in der Wüste von Nasca? Und was haben diese Fragen mit "Brauchtum" zu tun?
Tatsache ist, daß sich Azteken wie Babylonier, Ägypter wie Maya, Inka wie Kelten bereits in der Frühzeit der menschlichen Kultur um möglichst genaue Kalender bemühten. Die kürzlich in Deutschland bei Nebra gefundene, ca. 3.600 Jahre alte Himmelsscheibe aus der Bronzezeit paßt auch in dieses Puzzle.
Wozu diese Bemühungen, das Jahr in überschaubare und vor allem planbare Zeitabschnitte einzuteilen? Ein zu frühes oder zu spätes Aussähen des mühsam über den Winter geretteten Saatguts "nach Gefühl" konnte Mißernte, Hungersnot, das Aussterben des Stammes bedeuten! Der Zug der Lachse, die Reife von Wildfrüchten, das Ende der Nachtfröste, die Wanderungen der Büffel, die Überschwemmung des Nils und vieles mehr fand jährlich etwa um dieselbe Zeit statt. Der Faktor Zeit spielte daher bereits im Leben der frühen Menschen eine bedeutende Rolle. Meist waren es nur wenige Eingeweihte, die den Lauf der Sterne, das Wandern der Sonne, die Tag- und Nachtgleichen deuten konnten. Dieses Wissen wurde zum Kult und aus den Kulthandlungen entstanden Bräuche, die jedes Jahr zur selben Zeit stattfanden. An diesen Bräuchen konnten sich auch die Nicht-Eingeweihten zeitlich orientieren.
Offensichtlich haben wir dieses Gefühl, dieses Verlangen nach einer exakten Zeitkenntnis, von unseren Vorfahren geerbt. Warum sonst kaufen wir hochgenaue Quarz- und neuerdings sogar Funkuhren, deren Genauigkeit im Alltagsleben nur die wenigsten wirklich benötigen?
Unsere Vorfahren erlebten die Zeit noch viel stärker und vor allem geordnet. Sie spürten wohl, daß in dieser Ordnung ein tieferer Sinn lag. Auf Wochen der Stille und Besinnung, des Verzichts und der Einschränkung, wie sie die Advents- und Fastenzeit prägten, folgten Feste, auf die man sich noch wirklich freuen konnte und von denen man lange zehrte. Vor der Fastenzeit tobte man sich in der Fastnacht noch einmal richtig aus, an Kathrein (25. November) ging man ein letztes Mal zum Tanz. Heute werden das ganze Jahr über Vergnügungen und Feste aller Art geboten. Ende Oktober erscheinen die ersten Weihnachtsdekorationen und schon vor Adventsbeginn erstrahlen die ersten Christbäume. Wochenlang Weihnachtsmusik, Weihnachtsfeiern, Glühwein und Lebkuchen - kein Wunder, wenn viele schon vor Weihnachten von Weihnachten genug haben!
Zeit braucht Ordnung und wenn wir manchmal der "guten alten Zeit" nachtrauern, dann trauern wir wohl auch ein bißchen dieser verlorenen Ordnung nach. Letztlich war es aber Kirche und Religion, die früher Ordnung in die Zeit brachten. Nicht umsonst trägt noch heute jeder Kirchturm seine Uhr. Weihnachten und Ostern waren die beiden großen Feste, um die sich der kirchliche Kalender aufbaute. Und dieser Kalender entbehrt durchaus nicht weltlicher Logik: Wenn wir am 25. Dez. die Geburt des Herrn feiern, hat folgerichtig am 25. März Mariä Verkündigung zu sein. Eine Schwangerschaft dauert nun einmal 9 Monate. Mariä Geburt ist am 8. Sept., also feiern wir 9 Monate vorher, am 8. Dez. Mariä unbefleckte Empfängnis. Hier geht es nämlich um die Empfängnis Mariä durch ihre Mutter Anna und nicht um die Empfängnis Jesu durch Maria, wie oft angenommen wird. Während Weihnachten immer am 25. Dez. gefeiert wird, ist Ostern ein sogenanntes bewegliches Fest. Der Ostersonntag ist in jedem Jahr der erste Vollmondsonntag im Frühling. Er kann also frühestens um die Zeit des Frühlingsanfangs (ca. 20.März), spätestens 4 Wochen später sein. Wenn das Datum für Ostern bekannt ist, können wir uns viele weitere bewegliche Feste ausrechnen, die alle terminlich mit Ostern verknüpft sind: Aschermittwoch ist 46 Tage vor Ostern. Zur 40-tägigen Fastenzeit müssen die 6 Fastensonntage addiert werden, an denen nicht gefastet wird und die daher nicht mitzählen. Palmsonntag ist eine Woche vor Ostern und unmittelbar vor dem Osterfest feiern wir Gründonnerstag und Karfreitag. Der Weiße Sonntag ist der erste Sonntag nach Ostern. Hier wurden früher die weißen Taufkleider der in der Osternacht getauften Erwachsenen wieder abgelegt. Christi Himmelfahrt ist 39 Tage, Pfingstsonntag 49 Tage (zählt man den Ostersonntag mit, sind es 40 bzw. 50 Tage) und Fronleichnam 60 Tage nach Ostern.
Das Kirchenjahr gehorcht seinen eigenen Regeln und beginnt nicht an Neujahr, sondern mit der Adventszeit, die früher bereits nach dem Martinsfest am 11. Nov. begann. Nachdem Batzenhofen eine Martinsgemeinde ist, wollen wir unser Brauchtums-Jahr mit diesem Fest beginnen. Viele der im folgenden geschilderten Bräuche kennt der 1953 geborene Verfasser noch aus seiner eigenen Kindheit und Jugend. Als Literaturquelle wurde das von Kreisheimatpfleger Dr. Walter Pötzl herausgegebene Buch "BRAUCHTUM" verwendet.
11. November - Der Martinstag
Wie bereits erwähnt ist die Kirche in Batzenhofen dem Hl. Martin geweiht, die Gemeinde feiert an diesem Tag also seit alters her ihr Patrozinium. Früher war es selbstverständlich, daß am Samstag vor dem Fest gebeichtet wurde, damit am Folgetag die hl. Kommunion würdig empfangen werden konnte. Die Möglichkeit, sich bei der Beichte so manche Last von der Seele reden zu können, hat wohl etlichen unserer Vorfahren den Psychiater erspart. Ein guter, verständnisvoller Beichtvater war allerdings Voraussetzung. Da man seine geheimen Verfehlungen nicht unbedingt mit dem Ortspfarrer teilen wollte, wurden meist fremde Geistliche eingeladen, die dann teilweise auch die Festpredigt hielten. So wie das feierliche Hochamt gehörte für alle, die es sich leisten konnten, die knusprig gebratene Martinsgans zum Patrozinium. Einerseits war es dieses Federvieh, das Martin der Legende nach verraten hat, andererseits wollte man sich vor der nun beginnenden Fastenzeit nochmals ordentlich stärken. Wer sich keine Gans leisten konnte, feierte zumindest mit Küchle oder sonstigen Leckereien, wobei oft auch das Trinken nicht zu kurz kam. Zu den Kindern kam teilweise der Nußmärtel und brachte ihnen Nüsse und evtl. auch ein paar Süßigkeiten. Für die Nachbargemeinde Lützelburg ist dies noch 1930 belegt und noch heute pflegen einzelne Familien diesen Brauch. Relativ neu ist dagegen der in Batzenhofen - wie so vieles - durch Pater Dominikus Kirchmaier eingeführte Brauch des Lampionumzugs, möglichst mit St. Martin hoch zu Roß, an dessen Ende die Kinder eine Martinsbrezel oder auch eine aus Hefeteig ausgestochene und gebackene Gans bekommen.
25. November - Kathrein und 30. November - Andreasnacht
"Kathrein stellt den Tanz ein". Dieser Spruch galt im ganzen Landkreis und damit auch in Batzenhofen. Der Kathreintanz bot also eine letzte Gelegenheit noch einmal ausgelassen zu feiern. Man darf nicht vergessen, daß unsere Vorfahren keinen Urlaub kannten und die Feiertage die einzige Gelegenheit waren, einmal wenigstens ein bißchen weniger zu arbeiten und die Freuden des Lebens zu genießen. In der Antiphon der Laudes (Morgenlob) zum Andreastag hieß es: "Gib uns einen gerechten Mann". Vielleicht wurde dieser Tag deswegen von heiratswilligen jungen Mädchen (neben Thomastag und Silvester) für allerlei Losorakel genutzt?
Ende November, Anfang Dezember - Der Adventskranz
Der Adventskranz ist ein noch relativ junger Brauch und breitete sich zunächst vor allem in evangelischen Gemeinden aus. Noch 1930 war er in vielen katholischen Gemeinden unüblich, gehörte aber bereits 25 Jahre später auch hier meist bereits zum festen Brauchtum. Der Kranz wurde früher selbst gebunden, war aus Fichten- oder Weißtannenreisern, mit 4 gleich großen, roten Kerzen geschmückt und mit einem roten Band umwickelt. Heute werden alle möglichen immergrünen Reiser verwendet und der Farb- und Formenvielfalt von Kerzen und Bändern scheinen keine Grenzen gesetzt. Der Kranz muß auch nicht mehr unbedingt ein Kranz sein. 4 Kerzen sollten allerdings immer vorhanden sein, die 4 Adventsonntage symbolisierend. Letztlich dient der Adventskranz dem selben Zweck, wie die früher beliebten Adventskalender: Die Zeit des Wartens einerseits bewußt zu erleben, andererseits aber auch zu verkürzen. Früher genügten schöne weihnachtliche Motive auf der Vorderseite und bunte Bildchen hinter den Türchen, heute sind es meist Schokolade und kleine Geschenke, welche die Kinder zum Öffnen reizen. Daß dies dem Sinn des Advents eigentlich zuwider läuft, scheint niemanden zu stören. Viele der heutigen "Kids" läßt etwas so simples wie ein Adventskalender ohnehin kalt - ob mit oder ohne Schokolade. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß es die letzten Jahre immer mehr zum Brauchtum wird, Haus und Garten mit allerlei Lichterketten, Plastikweihnachtsmännern, Rentierschlitten usw. zu schmücken. Je bunter, je besser, je mehr, desto schöner scheint hierbei das Motto zu sein. Auch beleuchtete Weihnachtsbäume im Advent werden immer gebräuchlicher. Selbst der sonst sehr traditionsbewußte Batzenhofener Soldatenverein läßt es sich nicht nehmen, den von ihm auf dem Friedhof aufgestellten Christbaum bereits im November zu beleuchten. Brauchtum war schon immer geschichtlichem Wandel unterworfen. Neue Bräuche entstehen, alte sterben aus oder werden wieder neu belebt. Ob moderne Bräuche wie das jüngstens eingeführte Halloween bestehen bleiben und sich zum Kulturgut entwickeln können, wird letztlich davon abhängen, wie viele Menschen derartige Neuerungen als das zu erkennen lernen, was sie sind: Nichts weiter als eine von Geschäftemachern propagierte zusätzliche Möglichkeit zur Geldmacherei.
4. Dezember - Barbara
Am Barbaratag wurden Zweige von Obstbäumen und Ziersträuchern geschnitten und ins Wasser gestellt, die dann pünktlich an Weihnachten zum Blühen kamen - Symbol für die Entstehung neuen Lebens und neuer Hoffung. Heute, im Zeitalter der beheizten Gewächshäuser sind es eher die roten Weihnachtssterne, die wir mit dem Christfest verbinden. Wer dennoch einen Versuch mit Barbarazweigen machen möchte, sollte wegen unserer modernen Zentralheizungen daran denken, daß die Wärme die Zweige zu verfrühtem Blühen anregt. Also entweder etwa erst eine Woche später schneiden, oder aber kühl stellen! Die gute Stube, in der die Zweige standen, wurde früher auch nur zu besonderen Anlässen beheizt und benutzt.
6. Dezember - Nikolaustag
Der Gabenbringer der Adventszeit war, lange bevor das Christkind auf den Plan trat, der Nikolaus. Hieraus wurde später der wilde Klaus, dann in den 60er Jahren wieder der Nikolaus und heute zunehmend auch der Weihnachtsmann. Noch Ende der 50er Jahre zogen in Batzenhofen bei Einbruch der Dunkelheit lärmend die Klausen durchs Dorf. Die Kinder saßen in der Stube und hofften, daß der wilde Zug an ihrem Haus vorübergehen möge. Auch junge Mädchen gingen an diesem Abend besser nicht auf die Straße, wollten sie nicht Ziel von allerlei Schabernack werden. Es galt unter den Buben als Mutbeweis, abends möglichst lange im Freien zu bleiben, der Heimweg wurde dann oft zu einer wilden Verfolgungsjagd zwischen Kindern und Klausen. Noch am Tag prahlte man, man habe ja sein Taschenmesser eingesteckt, möge einen der Klaus also ruhig in seinen Sack einsperren - der wird einfach aufgeschnitten! Am Abend versteckte man sich jedoch, obwohl wissend, daß die Klausen nur junge Burschen aus dem Dorf waren, vorsichtshalber doch lieber in der warmen Stube. Die einzige Aufschneiderei blieben die Sprüche vom Nachmittag. Zu furchterregend waren einfach die Larven (Masken), Drohgebärden und Geräusche der wilden Schar. Später kam der Nikolaus nur noch auf Bestellung bzw. Wunsch der Eltern, meist als gütiger, Geschenke verteilender Bischof, dem ein finster dreinblickender Knecht Ruprecht als strenge Komponente zur Seite stand. Seit einiger Zeit wechseln sich Feuerwehr und Obstbauverein ab: In einem Jahr besucht der Feuerwehrnikolaus die Kinder, deren Eltern dies wünschen, im Folgejahr organisiert der Obstbauverein eine Nikolausfeier im Wald beim Wasserhäusle. Beide Vereine achten darauf, die Tradition zu wahren. Der Nikolaus ist als Bischof gekleidet, der rotweiße CocaCola-Weihnachtsmann ist verpönt.
Advent und Vorweihnachtszeit
Die lange Wartezeit bis Weihnachten wurde bewußt erlebt; Vorfreude ist die schönste Freude! Mit Beginn des Advents wurde beispielsweise in der Volksschule Batzenhofen das Klassenzimmer mit Weißtannenzweigen geschmückt, die mit Lametta verziert waren. Jedes Kind hatte auf seiner Schulbank ein Zweiglein mit einer kleinen Kerze, die damals um die Zeit des Volkstrauertags für die Kriegsgräberfürsorge verkauft wurden. Bei Unterrichtsbeginn, es war noch dunkel im Schulsaal, wurden alle Kerzen entzündet und gemeinsam ein Advents- oder Winterlied gesungen. Hin und wieder gab es auch eine kurze Geschichte von der Lehrerin. In der Schule, aber auch Zuhause, wurde viel gebastelt: Sterne aus Goldpapier oder Stroh, Laubsägearbeiten, Stickereien usw.. Manches so entstandene "Kunstwerk" diente später als Weihnachtsgeschenk für Eltern, Großeltern oder Geschwister. An einem frostfreien Tag wurde es Zeit, Moos für das Kripple zu besorgen. Ansonsten war man, wann immer es möglich war, am Bögle oder Kirchberg beim Schlittenfahren. Ganze Horden von Kindern aller Altersklassen waren versammelt, eine Mordsgaudi.
Irgendwann war es dann endlich soweit: Mutter begann mit der Weihnachtsbäckerei. Typische Loibla (Plätzchen) waren Butterloibla, die von uns Kindern ausgestochen und mit Eigelb, bunten Streuseln oder Schokolade verziert werden durften, Spitzbuaba, aus Nußteig rund ausgestochen und je zwei Stück mit Marmelade zusammengeklebt und in Kristallzucker gewendet, Spritzgebackene, bei denen man die Kurbel des Fleischwolfs drehen durfte, Kokosloibla, bei denen es die Oblatenabfälle zu vertilgen galt. In einer Zeit, da Süßigkeiten rar waren, jedesmal ein echtes Fest.
Ein Fest ganz anderer Art war die für die Vorweihnachtszeit typische Hausschlachtung. In der Zeit, als es noch keine Kühlschränke gab, war die kalte Jahreszeit gerade recht für dieses Vorhaben. Recht fett mußte sie damals sein, die Sau, schließlich sollte sie Gruiba und Schmalz für das ganze Jahr liefern. Schnell verderbliche Produkte wie Kesselsupp und Bluat- und Leberwürscht wurden mit der Nachbarschaft geteilt, die sich ihrerseits zu gegebener Zeit revanchierte. Als Kind durfte man Blut rühren, Speck zum Auslassen schneiden und bekam natürlich von dem einmalig guten Kesselfleisch zu essen, wenn es soweit war, daß mit der Preßsackherstellung begonnen werden konnte. Bis dahin war ein langer Weg: Die Sau wurde geschossen, gestochen, daß sie blutleer wurde, dann gebrüht, mit Pechpulver bestreut und "rasiert" (abgeschabt). Die Eingeweide wurden entfernt, der Magen und ein Teil der Därme mußten geputzt werden und dienten später als Wursthülle. Das Blut mußte solange gerührt werden, bis alle Gerinnungsfasern nach und nach an dem rauhen Holzlöffel kleben blieben und entfernt werden konnten. Dieses Blut wurde später für die Blutwürste und den roten Preßsack benötigt. Nach dem Zerlegen und dem Entfernen der dicken Speckschicht wanderte ein Teil des Fleisches zusammen mit den Innereien, den Füßen und dem Kopf in den Wurstkessel. Hierfür mußte meistens der holzbefeuerte Waschkessel herhalten, den es damals noch in jedem Haushalt gab. Wenn alles gar war, kam endlich die von allen erwartete Brotzeit mit Kesselfleischessen. So gestärkt wurden Kopf und Füße ausgelöst. Hier befinden sich die zur Preßsackherstellung unbedingt nötigen Gelatinestoffe. Frauensache war es, den Speck zu würfeln und auszulassen. Auch wurde es Zeit, Kraut zu kochen, damit es mittags das typische Schlachtessen geben konnte: Eine Brotsupp, bereitet mit der Kesselbrühe und Kraut mit Blut- und Leberwürsten sowie Kesselfleisch. All jene, die diese Herrlichkeiten nur als Fertigprodukte aus dem Metzgerladen kennen, sind zu bedauern.
"Rorate, coeli", Tauet Himmel (den Gerechten) wurde am vierten Adventsonntag in der katholischen Meßliturgie als Eingangsvers gesungen. "Rorate" hießen daher die Frühmessen zu Ehren der Gottesmutter in der Adventszeit, die vor Schulbeginn besucht wurden und zu denen man auch eine Kerze oder einen Wachsstock mitbringen und entzünden durfte.
In der Vorweihnachtszeit wurden oft auch Geschenke aus vergangenen Jahren wieder hervorgekramt, beispielsweise die Eisenbahn, die mangels Platz nicht das ganze Jahr über fest aufgebaut bleiben konnte. Mit solcherlei Beschäftigung verging die Wartezeit bis Weihnachen doch in erträglichem Tempo und schließlich war er da, der
24. Dezember - Heiliger Abend
Weil er Christbaum oder auch Weihnachtsbaum heißt, wurde streng darauf geachtet, daß es ihn auch erst zu Weihnachten gab. So mußten die Kinder zwangsläufig am Heiligen Abend für ein paar Stunden weggeschickt werden, damit die Eltern den Baum herrichten konnten. Wenn Schnee lag, was damals meist der Fall war, war dies kein Problem und man ging Schlitten- oder Schifahren. Der Baum wurde mit Kugeln aufgeputzt, die oft schon mehrere Generationen in Familienbesitz waren. Meist wurde auch reichlich Lametta verwendet, das über möglichst viele Jahre immer wieder erneut benutzt wurde, bis es schließlich allzu zerknäult war. Wenn der Baum dann nach einigen Tagen zu trocken wurde und man die Wachskerzen nicht mehr anzünden durfte, ging trotzdem immer noch ein Leuchten von ihm aus. Wie der Baum gehörte in fast jeder Familie das Kripple untrennbar zum Fest, oft auch dieses über viele Generationen vererbt und immer wieder ein bißchen erweitert. Der Augsburger Christkindlesmarkt bot hierzu jedes Jahr vortrefflich Gelegenheit. Dinge wie Brunnen, Hirtenfeuer, oft auch der Stall, wurden selbst gebastelt.
Wenn es dämmrig wurde versammelte sich die Familie zum gemeinsamen Abendessen in der Küche und danach durfte endlich das Wohnzimmer oder die gute Stube betreten werden. Meist hatte man vorher ein geheimnisvolles Rascheln oder ein Glöckchen vernommen, manchmal fand sich auch etwas Engelshaar, welches das Christkind verloren hatte, als es die Geschenke brachte. Die Kerzen auf dem Christbaum waren entzündet, das Kripple beleuchtet, oft brannten auf dem Christbaum auch einige "Schderawerfer" (Wunderkerzen). Auch in ärmeren Zeiten gab es neben allerlei praktischen Geschenken wie Kleidung für die Kinder etwas Spielzeug und Süßigkeiten, manchmal wurde auch der Baum mit Süßigkeiten geschmückt, von denen dann täglich ein Stück pro Kind gegessen werden durfte. Am Heiligabend wurde meist auch eine einmalige Ausnahme gewährt und die Kinder durften, wie die "Großen", Alkohol trinken: Ein Glas stark mit Limonade verdünnte Bowle oder ein winziges Schlückchen Eierlikör. Dann wurde es langsam Zeit für die Christmette. In Batzenhofen ist es Brauch, daß 1/2 bis 1 Stunde vor Beginn der Messe die Blasmusik weihnachtliche Weisen von der Empore der Kirche erschallen läßt. Zusammen mit der Festmesse konnte die Mette dann schon 2 Stunden dauern; für ein übermüdetes Kind in einer ungeheizten Kirche wurde es da recht kalt. Trotzdem haben wir uns die Messe nie entgehen lassen und spätestens wenn als Schlußlied "Stille Nacht" erklang, wurde das Herz warm, egal wie kalt es war.
25. Dezember - Weihnachten
Meist begann der 25. Dez. so, wie der 24. aufgehört hatte: Mit einem Gottesdienst. Man mußte schon sehr übermüdet, oder gar krank sein, um an diesem Tag der Messe fernzubleiben. Während es am Heiligabend meist nur ein einfaches Essen wie Bratkartoffeln mit Grieben oder Würste mit Kraut gab, wurde am ersten Weihnachtsfeiertag geschlemmt und es kam ein knuspriger Braten oder vielleicht auch eine Ente oder ein Weihnachtskarpfen auf den Tisch. Dann wurde ausnahmsweise auch einmal eine Flasche Wein oder Bockbier getrunken. Nach dem Essen besuchte man sich gegenseitig. Den Kindern ging es meist ums Kripple, wobei die Anzahl der zur Beleuchtung vorhandenen Glühbirnchen ein wichtiges Kriterium war. Häufig wurden diese aus einer 4,5-Volt-Flachbatterie gespeist, die über die ganzen Feiertage bis Dreikönig halten mußte. Das Kripple durfte also immer nur für wenige Sekunden bei Beleuchtung betrachtet werden. Glücklich, wer einen Klingeltransformator besaß. Das gab ebenso Sonderpunkte wie ein Kamel oder sonstige Figuren, die nicht Allgemeingut waren. Die Älteren wünschten sich "Frohe Weihnachten", verbunden mit dem "Christbaumloben": Der nachbarschaftliche Baum wird solange bewundert und in höchsten Tönen gepriesen, bis der Nachbar ein Stamperl Schnaps rausrückt.
26. Dezember - Stephanus
"Am Schteffesdag schlagd's um" - diese persönliche Wetterregel meines Großvaters traf nur zu oft ein. Frost wechselte mit Tauwetter, Tauwetter mit Frost. Oft führte die mit diesen Wetterkapriolen verbundene Schneeschmelze zum Überlaufen der damals noch nicht regulierten Schmutter. Dann bestand Aussicht auf ein Wintervergnügen der besonderen Art: Schlittschuhlaufen in den Schmutterwiesen. Die Meisten besaßen nur einfache Kufen, die an normale Schuhe geschraubt wurden und sich nur zu oft als "Sohlenabzieher" erwiesen, was nach längerem Aufenthalt in der winterlichen Kälte dann für ein warmes Hinterteil beim Heimkommen sorgte ...
31. Dezember - Silvester
Bereits Ende der 50er Jahre wurde in Batzenhofen an Silvester zunehmend Feuerwerk abgebrannt, allerdings in wesentlich bescheidenerem Ausmaß, als dies heute der Fall ist. Der Silvesterabend begann mit der Jahresschlußandacht, bei der für das vergangene Jahr gedankt wurde. Diese Andacht galt auch allen, die im vergangenen Jahr ein kirchliches Fest gefeiert hatten: Taufe, Erstkommunion, Firmung, Heirat. Auch der Verstorbenen wurde gedacht. Nach der Andacht traf man sich zu einer privaten Silvesterfeier. Manche versuchten sich im Bleigießen, andere gaben zur Wettervorhersage in 12 Zwiebelhälften etwas Salz. Wurde das Salz naß, so zeigte dies einen verregneten Monat an. Pünktlich um Mitternacht begann das "Neujahranwünschen". Die Anwesenden wünschten sich gegenseitig ein gutes Neues Jahr, Glück und Gesundheit. Oft schlossen sich Wünsche um Gottes Segen, ein langes Leben oder Glück im Stall an. Nach und nach wurde es Mode, mit Sekt auf das neue Jahr anzustoßen, früher gab es eher Neujahrsbowle. Das Anschauen des Feuerwerks und ein gemeinsamer Umtrunk, teilweise bis in die frühen Morgenstunden, vervollständigten die Silvesterfeier.
1. Januar - Neujahr
Das Neue Jahr begann mit dem Festgottesdienst. "An Gottes Segen ist alles gelegen" - ein Neujahresbeginn ohne die bewußte Hinwendung zum Geber aller Gaben wäre undenkbar gewesen. Nach dem Essen machte man sich auf den Weg zum Neujahranwünschen. Dabei besuchte man oft auch entfernter lebende Verwandte, die man sonst das ganze Jahr über kaum zu Gesicht bekam. Natürlich bot sich bei diesen Besuchen erneut die Gelegenheit, Christbaum und Krippe zu bewundern.
Rauhnächte
Die Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig galten als Lostage, aber auch als besonders gefährdete Tage, um die sich allerlei Aberglauben rankte: Nach Einbruch der Dunkelheit sei die "Wilde Jagd" unterwegs, in der Christnacht würden die Tiere im Stall miteinander reden, es darf keinesfalls Wäsche zum Trocken aufgehängt sein und ähnliches. Der Ausdruck Rauhnächte kommt vielleicht von Rauchnächte, da man sich durch Räuchern mit Weihrauch zu schützen versuchte.
6. Januar - Dreikönig
Früher wurde in einer Nachmittagsandacht vor dem Dreikönigstag Salz, Kreide und Weihrauch geweiht, den man damals zu diesem Zweck noch in jedem Laden am Ort kaufen konnte. Eine Tasse wurde mit Salz gefüllt. In dieses wurde das Tütchen mit Weihrauch und die Kreide gedrückt. Ein kleiner Tannenzweig schmückte das Ganze. Die Tassen wurden auf ein Brett gestellt, das der Mesner zu diesem Zweck im Chorgestühl angebracht hatte. Am Dreikönigstag nach der Kirche wurde dann Glut aus dem Herd geholt, eine durchlöcherte Dose mit Drahtbügel diente als Weihrauchfaß. Damit wurden Haus und Stall ausgeräuchert. Das geweihte Salz bekamen die Tiere unters Futter gemischt, die geweihte Kreide brauchte man, um K + M + B plus die Jahreszahl an die Türen zu schreiben. Meistens als Kaspar, Melchior und Balthasar gedeutet, sind die Buchstaben tatsächlich die Abkürzung für den lat. Segensspruch Kyrios mansionem benedicat - der Herr segne dieses Haus. Mit der Einführung der Sternsinger durch Pater Dominikus Kirchmaier ging der Brauch des Räucherns quasi auf "Profis" über, die dies nun Jahr für Jahr besorgen. Auch die Türbeschriftung änderte sich und lautet jetzt z.B. 20 - C + M + B - 04, wobei C wahlweise für Caspar oder Christus steht.
2. Februar - Mariä Lichtmeß
Die Bauernregel besagt, daß der Tag an Lichtmeß bereits wieder eine Stunde länger geworden ist. Vielleicht wurden aus diesem Grund schon im Mittelalter Kerzen geweiht, als Symbol für das Licht und den wieder länger werdenden Tag? Jedenfalls schreibt der Volksmund den an Lichtmeß geweihten Kerzen Kraft gegen Gespenster, Hagel und Gewitter zu. Die Lichtmeßkerzen wurden auch am Sterbebett entzündet. Für die Dienstboten galt Lichtmeß als Termin für einen beabsichtigten Wechsel.
3. Februar - Blasius
"Auf die Fürsprache des Hl. Blasius bewahre dich vor Halskrankheiten und allem Übel Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist". So oder ähnlich lautet der Segensspruch zum "Blasiussegen", den der Pfarrer mit zwei gekreuzten Kerzen in der Hand für jeden der Gläubigen einzeln spricht. Die Kerzen stellen die Verbindung zum vorangegangenen Lichtmeßtag her.
5. Februar - St. Agatha
Eigentlich könnte man diesen heute völlig bedeutungslosen Tag übergehen, fände sich nicht in der Pfarrmatrikel von Batzenhofen folgender Eintrag: Darüber hinaus ist zu bemerken, daß im Jahre 1714 der Ortspfarrer wegen eines im Januar in Edenbergen ausgebrochenen Brandes, damit Gott in Zukunft ein ähnliches Übel von der ganzen Pfarrei abwende, unter Zustimmung aller Pfarrangehörigen am 5. Februar, am Fest der Heiligen Jungfrau und Märtyrerin Agatha, in der Pfarrkirche das erste Mal eine hl. Messe lesen wird. Agatha wurde also früher als Patronin gegen Feuersgefahr in Batzenhofen verehrt. Früher war St. Agatha der Tag der Brotweihe.
14. Februar - Valentinstag
Der zur Freude der Floristen und Süßwarenhersteller erst vor kurzem aus Amerika importierte Valentinstag ist ein typisches Beispiel für den Umgang mit Brauchtum im Zeitalter von Handy und Mc Donalds: Historische Bräuche sterben aus, Neues, das eigentlich nicht zu unserem Kulturkreis gehört, wird übernommen. Früher war der Valentinstag der "Tag der offenen Herzen" - jedem gegenüber. Das hat dann nichts mehr mit Geschenken, dafür aber mit Nächstenliebe zu tun. So betrachtet haben wir den Valentinstag in unserem Zeitalter der Selbstverwirklicher, Individualisten und Egoisten allerdings nötiger denn je.
Fasnacht
Nach so vielen kirchlichen Festen und Bräuchen kam die Fasnachtszeit vielen sicher gerade recht. Fasnacht (Fast-Nacht) bedeutet nichts anderes, als den Abend vor Beginn der vierzigtägigen Fastenzeit, also streng genommen den Abend des Faschingsdienstags. Auch das Wort Fasching geht auf die Wortwurzel Fasten zurück. Und Karneval? Das italienische Carnevale bedeutet soviel wie Fleischwegnahme und verweist somit ebenfalls auf die Fastenzeit. Fastnacht meinte also ursprünglich nur den Abend vor Aschermittwoch, weitete sich aber nach und nach auf die davor liegende Woche (und darüber hinaus) aus. Der "harte Kern" des Faschings beginnt mit dem gumpigen Donnerstag (von "gumpen" = lustige Sprüche machen). Später konnte man mit dem alten Wort gumpigen nichts mehr anfangen und machte daraus "glumpigen": Am glumpigen Donnerstag haben alle Lumpen Namenstag. Am darauf folgenden rußigen Freitag versuchen Kinder und Erwachsene, heimlich andere mit Ruß schwarz zu machen. Am schmalzigen Samstag mußten jene, die andere geschwärzt hatten, zur Entschädigung schmalzgebackene Küchle bringen. Nach dem Faschingssonntag folgte früher der geile Montag. Doch ein Schuft, der hier schlechtes denkt. Das alte Wort geil bedeutet fröhlich, mutwillig, übermütig. Trotzdem setzte sich der unverfänglichere, aus dem rheinischen stammende Begriff Rosenmontag auch bei uns durch. Hier geht es aber nicht um Blumen, rosen kommt von rasen, toben. Der Faschingsdienstag schließlich stellte den Höhepunkt der närrischen Zeit dar. In der Faschingszeit fanden, als die Gaststätte Schmid noch über den großen Saal verfügte, Faschingsveranstaltungen statt: Hausball, Sportlerball, Feuerwehrball, Kaffeekränzle und Faschingsausklang mit Faschingsbegräbnis gehörten zum Standardprogramm. Bei letzterem mußte ein Sautrog als Sargersatz herhalten und der den Fasching Darstellende wurde um Mitternacht mit den Getränkeresten aller Anwesenden überschüttet. Schließlich war jetzt Aschermittwoch und Fasten angesagt. Bis Ende der 50er Jahre gab es in Batzenhofen noch einen eigenen Faschingsumzug. Heute nehmen Gruppen aus Batzenhofen am Umzug in Gersthofen teil. In den 70er Jahren gelangte der am Rosenmontag im "Excentry-Club" stattfindende Nachthemdenball zur Berühmtheit, heute dürfte der in der Mehrzweckhalle stattfindende Feuerwehrball das größte Faschingsereignis in Batzenhofen sein.
Aschermittwoch und Fastenzeit
"Gedenke o Mensch: Staub bist du und zum Staube kehrst du zurück!". Dieser Spruch des Priesters bei der Auflegung des Aschekreuzes steht im krassen Gegensatz zur Fröhlichkeit der soeben vergangenen Faschingszeit. Und doch sehen manche einen Zusammenhang und argumentieren, die Kirche würde die Ausgelassenheit des Faschings nicht nur dulden, sondern sogar fördern, um den Menschen eine pervertierte, gottferne Welt vor Augen zu führen und ihnen dadurch die Notwendigkeit der geistigen Umkehr beim Eintritt in die vorösterlichen Bußwochen nachdrücklich bewußt zu machen. Der Hauptaltar der Batzenhofener Kirche wird mit violettem Tuch verhüllt und statt St. Martin schmückt jetzt ein Gemälde von Jesu Todesangst am Ölberg den Altar. Die Fastenzeit ist auch heute noch geprägt von den Ölberg- und Kreuzwegandachten. Fasten bedeutet, sich nur einmal pro Tag richtig sattzuessen und wird heute in dieser Form kaum noch praktiziert. Allerdings gibt es wieder vermehrt Menschen, die den geistigen Wert des Sich-einschränkens erkennen und auf irgendeine Art ihr Fastenopfer vollbringen, zum Beispiel durch Verzicht auf alkoholische Getränke, Verzicht auf Süßigkeiten oder Verzicht auf Fernsehen. Drei Dinge gehören untrennbar zur Fastenzeit: Beten, Fasten und Almosen geben. Diese drei Dinge stehen für Gott, für mich selbst und für meinen Nächsten. Und mit allen dreien sollte ich ins reine gekommen sein, bevor die österliche Festzeit beginnt. Dann wird Ostern für mich auch mehr sein, als nur ein paar arbeitsfreie Tage und eine prima Gelegenheit für einen Kurzurlaub.
2. Fastensonntag - Reminiscere
Ab dem Samstag vor dem 2. Fastensonntag gab es früher das Osterbeichtbild, wenn man zur Beichte ging, d.h. ab diesem Zeitpunkt zählte die Beichte als Osterbeichte. Noch in den 60er Jahren war es in Batzenhofen Brauch, daß die Familien dem Pfarrer die Osterbeichtbilder vorlegten, quasi zur Kontrolle, daß alle Familienmitglieder dieser christlichen Minimalanforderung pflichtgemäß nachgekommen waren.
19. März - Josefstag
Der Josefstag ist seit langer Zeit nur noch ein Werktag wie jeder andere. Immerhin: In Bayern gibt es eine Josefspartei, deren einziges politisches Ziel in der (Wieder)einführung des Josefstags als gesetzlicher Feiertag besteht.
25. März - Mariä Verkündigung
Auch nur noch ein normaler Werktag. Aber der Spruch "An Mariä Verkündigung kommen die Schwalben wiederum" deutet darauf hin, daß dieser Tag früher als der eigentliche Frühlingsanfang gesehen wurde. Außerdem erkennen wir, daß unsere Altvorderen zwar keinen Urlaub, wohl aber mehr Feiertage kannten, als wir.
5. Passionssonntag - Judica
Am 5. Passionssonntag, dem Sonntag vor dem Palmsonntag, fand früher die Kreuzverhüllung statt. Heute wird das Kreuz vor dem Tabernakel meist schon zu Beginn der Fastenzeit mit einem violetten Tuch bedeckt.
Palmsonntag und Karwoche
Die Woche vor dem Osterfest heißt im Deutschen Karwoche (= Trauerwoche). Sie beginnt mit dem Palmsonntag, der mit dem königlichen Einzug des Herrn darauf hinweist, daß es um mehr geht, als Trauer: Um den großen Sieg Christi über Sünde und Tod. Der Palmsonntag trägt seinen Namen wegen der Palmzweige, mit denen die Kinder Jerusalems Christus bei seinem Einzug begrüßt haben. Die untrennbar zum Palmsonntag gehörende Weihe der Palm(kätzchen)zweige erfolgte bis Ende der 50er Jahre in der Sebastianskapelle. Von dort zogen die Gläubigen dann in feierlicher Prozession zur Pfarrkirche, wo der Festgottesdienst zelebriert wurde. Für die Prozession standen spezielle Heftchen zur Verfügung, aus denen gebetet wurde. Die Prozession fiel der zunehmenden Verkehrsdichte zum Opfer, weshalb die Weihe der Palmbuschen jetzt beim Pfarrheim stattfindet. Vielleicht läßt sich der alte Brauch ja wiederbeleben, wenn Batzenhofen seine Ortsumgehung hat? Der Palmsonntag führt mit dem Einzug Jesu in Jerusalem noch einmal die Herrlichkeit des Gottessohnes vor Augen: "Hosanna filio David!", bevor die von mehreren Lektoren mit verteilten Rollen gelesene Passion bereits die Brücke zum Karfreitag schlägt.
Am Gründonnerstag, dem ersten Tag des österlichen Triduums, gedenkt die Kirche der Begebenheiten, die der Passion des Herrn unmittelbar vorausgingen: Das letzte Abendmahl, die Fußwaschung und die Einsetzung der Eucharistie. Der Name Gründonnerstag ist von Greindonnerstag abgeleitet, wobei greinen mit weinen gleichzusetzen ist. Höhepunkt des Tages ist die in den Abendstunden stattfindende Abendmahlsfeier. Eine Fußwaschung, wie in manchen Gemeinden üblich, gibt es in Batzenhofen nicht, wohl aber die heilige Kommunion in beiderlei Gestalt. Den Abschluß der Liturgiefeier bildet die Entblößung der Altäre. Das Allerheiligste wird zum rechten Seitenaltar übertragen und eine Anbetungsstunde abgehalten, die traditionell von der Jugend geleitet wird.
Der Karfreitag ist einer der wenigen strengen Fast- und Abstinenztage, die aus früherer Zeit übriggeblieben sind bzw. zumindest von Manchen noch eingehalten werden. Früher wurden die Kirchenfenster in Batzenhofen am Morgen dieses Tages mit schwarzen Vorhängen verhüllt. Dies ergab zusammen mit den völlig leeren Altären ein ungewohnt dusteres Bild, wenn sich die Gemeinde zur Zeit der Sterbestunde des Herrn zur Karfreitagsliturgie versammelte. Bis in die 50er Jahre hinein wurde in Batzenhofen jedoch noch ein Heiliges Grab aufgebaut, wodurch der Hauptaltar nahezu gänzlich verdeckt wurde. Die Feier gliedert sich in vier Teile: Die Lesungen, deren Hauptteil die Johannespassion darstellt, die großen Fürbitten, die feierliche Kreuzesverehrung und die Kommunionfeier. An der Kreuzverehrung nimmt seit längerer Zeit die ganze Gemeinde teil, früher nur Pfarrer, Mesner und Ministranten. Das verhüllte Kreuz wird in feierlicher Prozession von Priester und Ministranten zum Altar getragen und in drei Abschnitten enthüllt, wobei der Priester jedesmal singt: "Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen!". Chor und Volk antworten: "Kommt, lasset uns anbeten!". Diese Rufe sind eines der wenigen Beispiele, die auch nach dem neuen Ritus noch in Latein verwendet werden können (Ecce lignum crucis, in quo salus mundi pependit. - Venite adoremus). Im Anschluß an die Meßfeier sind wieder Anbetungsstunden, geleitet vom Frauenbund, der Marianischen Kongregation und dem Pfarrgemeinderat. Anschließend erfolgt der Schlußsegen durch den Priester. So können alles in allem schon mal 4 Stunden Kirchenbesuch zusammenkommen.
Der Karsamstag ist der Grabesruhe des Herrn gewidmet, es findet keine Meßfeier statt. Es bietet sich eine letzte Gelegenheit zum Kochen und Färben der Ostereier, die neben Salz, Brot bzw. Osterfladen, Geräuchertem und Osterlämmchen zur Minimalausstattung des Osterkorbes dienen. Früher fand in den Abendstunden des Karsamstags die Weihe des neuen Feuers satt, von uns Kindern zum Mißfallen des Pfarrers "Prügelweihe" genannt. Jedes Kind brachte nämlich einen Holzprügel mit, der, mit Kette oder Draht gehalten, ins Feuer geworfen wurde. Diese Haltevorrichtung durfte während der Weihezeremonie nicht losgelassen werden, gleichsam als könnte durchs sie der Segen in den Halter strömen. Nach der Weihe des Feuers wurde daran eine Kerze entzündet. Mit dieser wurde dann in der Osternacht die Osterkerze angezündet. Nach der Feuerweihe wurde der geweihte Prügel als Schutz vor Blitzschlag Zuhause aufgehängt. Von der Asche des Feuers wurde etwas für die Ascheauflegung am Aschermittwoch des nächsten Jahres aufbewahrt.
Ostersonntag und Osterzeit
Heute wird die Feuerweihe am Morgen des Ostersonntags, gegen 5:00 Uhr früh, in Anwesenheit der Gläubigen vollzogen. Stockfinster ist es immer, oft auch noch empfindlich kalt. An der prasselnden Glut des Osterfeuers läßt sich dann erahnen, was Jesus meint, wenn er sagt: "Ich bin das Licht der Welt." Die Glut des geweihten Feuers wird für das Weihrauchfaß verwendet und die Osterkerze wird am Feuer entzündet, nachdem sie vom Priester durch Eindrücken der Nägel fertiggestellt wurde. Dann gehen die Gläubigen in die völlig dunkle Kirche. Anschließend zieht der Priester mit den Ministranten in die Kirche ein. Dabei macht er dreimal Halt und singt, jedesmal in einem höheren Ton, wobei auch die Kerze jedesmal höher gehalten wird: "Lumen Christi!" (Licht Christi). Die Gemeinde antwortet: "Deo gratias!" (Dank sei Gott). Nach dem dritten Ruf werden die von den Gläubigen mitgebrachten Kerzen am Feuer, das von der Osterkerze genommen wurde, entzündet. Nun stimmt der Priester den österlichen Preisgesang, das Exultet, an. Dann folgen bis zu sieben Lesungen aus dem alten Testament, wobei jedoch meist einige weggelassen werden. Auf jeden Fall wird aber der Durchzug der aus der Knechtschaft Ägyptens geretteten Israeliten durch das Rote Meer verkündet. Nach der letzten Lesung folgt das feierliche Gloria, wozu die Orgel wieder spielt und die Glocken geläutet werden. Beides mußte am Abend des Gründonnerstags verstummen, weshalb die Gläubigen in früherer Zeit mit Ratschen zu den Messen gerufen wurden. Dann folgt die Tauffeier mit der Weihe das Taufwassers, wobei die Osterkerze, das Symbol für den auferstandenen Christus, in den Wasserbehälter gesenkt wird. Falls Täuflinge vorhanden sind, erfolgt der Taufritus. Dann erneuert die ganze Gemeinde das Taufversprechen und wird vom Priester mit Taufwasser besprengt. Nun erfolgt die Eucharistiefeier und Osterkommunion. Am Ende der Feier findet die Segnung der mitgebrachten Speisen statt. Anschließend gehen viele der Gläubigen mit ihrer Kerze zum Friedhof, um auch dort ein Zeichen der Auferstehung zu setzen. Nun ist das Frühstück redlich verdient und der Osterfladen kann angeschnitten werden. Viele gehen am Vormittag ein zweites mal in die Kirche: "Jesus lebt, mit ihm auch ich!". Grund genug, ein weiteres Mal Lob und Dank vor den Herrn zu bringen.
Die österliche Freude dauert sieben Wochen lang an und wird am 50. Tag mit dem Pfingstfest abgeschlossen. Diese Freude findet ihr Symbol im österlichen Halleluja, das während der Fastenzeit verstummt war und nun um so inniger angestimmt wird. Nach dem Mittagessen kommt der Osterhase und legt den Kindern Eier ins Nest. Wer ein besonders schönes Osternest gebaut hatte, konnte den Hasen zu besonders reichlicher Eiablage stimulieren. So haben wir als Kinder Weidenruten geflochten und mit Moos gepolstert, Wege gebaut und alles schön mit Gänseblümchen verziert. Der Brauch zu Ostern Eier zu schenken stammt daher, daß diese früher am Ende der Fastenzeit überreichlich vorhanden waren - durften sie doch während der Fastenzeit nicht gegessen werden.
23. April - Georg
Traktoren haben die Pferde abgelöst. Einen Georgiritt gibt es in Batzenhofen schon seit Jahrzehnten nicht mehr.
Nachdem wir unser Brauchtumsjahr im November begonnen haben, liegt nun bereits das erste Halbjahr hinter uns. Wenn Sie wissen wollen wie es weiter geht, wechseln Sie zum zweiten Halbjahr.
 
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